Steuerliche Änderungen durch die Koalitionsvereinbarungen für 2006 und die Folgejahre

Hier finden Sie ein Merkblatt über geplante Änderungen im Steuerrecht 2008.

Sehr geehrte Damen und Herren,mit diesem Merkblatt möchte ich Sie über die wichtigsten steuerlichen Änderungen ab 2006 und die Folgejahre informieren, die sich aufgrund der Koalitionsvereinbarungen vom 11.11.2005 und den inzwischen stattgefundenen Kabinettssitzungen sowie der Bundesratssitzung vom 16.12.2005 ergeben werden.


Geplante Änderungen ab 2006:

  • Abschaffung der Eigenheimzulage für Fälle, in denen der Bauantrag nach dem 31.12.2005 beim Bauamt abgegeben bzw. Kaufvertrag nach dem 31.12.2005 notariell beurkundet wird. Diese gesetzliche Änderung soll am 21.12.2005 im Bundestag verabschiedet und noch im Kalenderjahr 2005 im Bundessteuerblatt II veröffentlicht werden, so dass die Abschaffung garantiert zum 01.01.2006 erfolgt.

  • Wegfall der Freibeträge für Abfindungen und Übergangsgelder. Hierzu gibt es jedoch eine weit gefasste Übergangsregelung. Wird der Vertrag noch im Kalenderjahr 2005 abgeschlossen, gelten weiterhin die alten Freibeträge, auch wenn die Auszahlung erst im Kalenderjahr 2006 erfolgt (§ 3 Nr. 9 EStG).

  • Streichung des Sonderausgabenabzuges für Steuerberatungskosten für Zahlungen nach dem 31.12.2005. Hierunter fallen lediglich die Steuerberatungskosten, die die Erstellung des Mantelbogens betreffen. Alle anderen Steuerberatungskosten, die in direktem Zusammenhang mit der Ermittlung einer der 7 Einkunftsarten zu setzen sind, sind weiterhin als Werbungskosten oder Betriebsaugabe im Rahmen der Ermittlung der jeweiligen Einkunftsart in vollem Umfang abzugsfähig (§ 10 Abs.1 Nr. 6 EStG)

  • Wegfall der degressiven Gebäudeabschreibung im Mietwohnbereich ab dem 01.01.2006, wenn der Bauantrag nach dem 31.12.2005 gestellt bzw. der Kaufvertrag nach dem 31.12.2005 abgeschlossen wurde (§ 7 Abs. 5 S. 1 Nr. 13 EStG)

  • Bereits zum Stichtag 11.11.2005 wurde die Verlustverrechnung bei Film-, Videogame-, Windkraft-,Leasing- und Schiffsbeteiligungsfonds stark eingeschränkt. Derartige Verluste sind zukünftig nur noch mit späteren Gewinnen aus der selben Einkunftsquelle, nicht Einkunftsart, zu verrechnen. In der Presse wird häufig als Stichtag der 24.11.2005 genannt. Hierbei handelt es sich um den Tag des Beschlusses des Bundeskabinettes, diese Sparfonds abzuschaffen, jedoch erfolgte die Abschaffung rückwirkend zum 11.11.2005, so dass Beitritte zu solchen Fonds nach dem 10.11.2005 bereits von der Verlustbeschränkung betroffen sind.

  • Abschaffung der Freibeiträge für Heirats- und Geburtsbeihilfen (§ 3 Nr. 15 EStG)

  • Änderung bei der Firmenwagenbesteuerung. (§ 6 Abs. 1 Nr.4 EStG)


Derzeit werden 2 Modelle diskutiert:

a) Die derzeitige Firmenwagenbesteuerung für die private Nutzung soll von bisher 1% des Listenbruttopreises auf 1,5% angehoben werden.
b) Die Firmenwagenbesteuerung soll auf Fahrzeuge des notwendigen Betriebsvermögens beschränkt werden. D.h., nur wenn die betriebliche Nutzung mehr als 50% beträgt, kann die private Nutzung pauschal mit 1 oder 1,5 % des Bruttolistenpreises abgegolten werden. Für sämtliche Fahrzeuge des sogenannten gewillkürten Betriebsvermögens, d.h. für Fahrzeuge, bei denen die betriebliche Nutzung weniger als 50% beträgt, soll die pauschale Besteuerung der privaten Nutzung mit 1 oder 1,5% des Bruttolistenpreises nicht mehr möglich sein. Für derartige Firmenwagen soll ab dem 01.01.2006 die betriebliche Nutzung des Kfz nur über den tatsächlichen Kostenansatz berücksichtigt werden.

Tipp: Es bietet sich daher an, ab 2006 ein Fahrtenbuch zu führen. Gleichzeitig muß für sämtliche Firmenwagen, die dem sogenannten gewillkürten Betriebsvermögen zugeordnet sind, zum 31.12.2005 der aktuelle Verkehrswert ermittelt werden, da die geplante Regelung bedeuten würde, dass diese Kfz zum 31.12.2005 aus dem Betriebsvermögen herauszunehmen sind. Ab dem 01.01.2006 werden die Kfz-Aufwendungen für die betriebliche Nutzung nur noch über den tatsächlichen Kostenansatz als Betriebsausgaben berücksichtigt.

Erhöhung der degressiven AfA bis zum 31.12.2007 (also für 2 Jahre) auf das Niveau des Jahres 2000. D.h. die Degressive wird von derzeit 20 auf ursprünglich 30% angehoben.

Tipp: Bei größeren Anschaffungen ist daher zu überlegen, die Lieferung erst nach dem 31.12.2005 erfolgen zu lassen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen und Kinderbetreuungskosten sollen stärker gefördert werden. Der Abzug beträgt 20% der Arbeitskosten von höchstens 3.000,00 €, d.h. eine maximale Anrechnung von 600,00 € im Jahr. In den vergangenen Jahren waren bei den Handwerkerrechnungen nur die Aufwendungen für den Gärtner und den Maler gefördert worden, ab 2006 werden sämtliche Handwerkerrechnungen als haushaltsnahe Dienstleistungen angesehen (§ 35a EStG)

Schulgeldzahlungen sollen nicht mehr als Sonderausgaben abzugsfähig sein. (§ 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG)

Die Steuerfreiheit von Sonn-, Feiertags- und Nachtzuschlägen soll unverändert erhalten bleiben. Die Sozialversicherungspflicht soll jedoch ab einem Stundenlohn von 25,00 € eingeführt werden. (§ 3b EStG)

Das Reisekosten- und Spendenrecht werden umfangreich reformiert. Dazu erhalten Sie in den nächste Wochen bzw. Monaten weitere Auskünfte.

Bis spätestens Ende 2006 sollen Betriebsübergänge erleichtert werden. Geplant ist, dass die Erbschaft- und Schenkungsteuer über 10 Jahre lang gestundet werden soll und pro Jahr der Betriebsfortführung durch den Erben oder Beschenkten 10% der festgesetzten Erbschaft- und Schenkungsteuer erlassen werden soll.

Geplante Änderungen ab 2007:

  • Aufhebung der Steuerfreiheit für Bergmannsprämien (§ 3 Nr. 46 EStG).

  • Streichung der steuerfreien Auslandszuschläge (§ 3 Nr. 64 EStG).

  • Einschränkungen bei der Abzugsfähigkeit von Geschenkaufwendungen und Bewirtungskosten (§ 4 Abs. 5 Nr. 1 und 2 EStG).

  • Die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sind nur noch abzugsfähig, wenn dort der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit liegt (§ 4 Abs. 5 Nr. 6b EStG).

  • Abschaffung der Rückstellung für Jubiläumszuwendungen und deren Auflösung innerhalb von 3 Jahren. (§ 5 Abs. 4 EStG).

  • Das Lifo-Verfahren wird abgeschafft (§ 6 Abs. 1 Nr. 2a EStG).

  • Die Pendlerpauschale von 0,30 € je Entfernungskilometer und Arbeitstag wird erst ab dem 21. Entfernungskilometer berücksichtigt (§ 9 Abs.1 Nr. 4 EStG). Im Gegenzug soll der Arbeitnehmerpauschbetrag von 920,00 € beibehalten werden (§ 9a Nr.1 EStG). Offen ist, ob der Aufwand für öffentliche Verkehrsmittel weiterhin abziehbar ist, selbst wenn sich diese Kosten auf die ersten 20 Entfernungskilometer beziehen.

  • Abschaffung der Steuerfreiheit für Vermögensbeteiligungen (§ 19a EStG).

  • Der Sparerfreibetrag wird für Ledige auf 750,00 € und für Verheiratete auf 1.500,00 € gesenkt (§ 20 Abs. 4 EStG).

  • Private Veräußerungsgewinne bei vermieteten Immobilien und Wertpapieren sollen pauschal mit 20% besteuert werden, die Spekulationsfristen von 1 bzw. 10 Jahren sollen entfallen (§ 23 EStG).

  • Einschränkung des Kindergeldes bzw. der steuerlichen Freibeträge für Kinder bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres (§ 32 EStG). D.h. Kinder im 26. und 27. Lebensjahr sollen in Zukunft nicht mehr steuerlich gefördert werden. Im Gegensatz dazu soll ein Elterngeld als einkommensabhängige Leistung für die Eltern neugeborener Kinder eingeführt werden, wobei ein Elternteil 67% des letzten Nettoeinkommens bis zu einem Höchstbetrag von 1.800,00 € monatlich erhalten soll.

  • Für Steuerpflichtige mit einem zu versteuernden Einkommen in Höhe von 250.000,00 € für Ledige und 500.000,00 € für Verheiratete wird der Höchststeuersatz auf 45% angehoben („Reichensteuer“). Dieser Zuschlag gilt nur für nichtgewerbliche Einkünfte (§ 32a EStG).

  • Die Pauschalabgabe bei Minijobs soll von 25 auf 30% angehoben werden (§ 40a Abs. 2 EStG).


Weitere Änderungen ab 2007:

  • Die Umsatzsteuer wird von 16 auf 19% erhöht. Der ermäßigte Steuersatz von 7% bleibt unverändert.

  • Die Versicherungsteuer wird von 16 auf 19% erhöht.

  • Die Steuerklassen sollen abgeschafft und durch ein Anteilssystem ersetzt werden. Damit zahlt jeder Ehegatte bereits während des Jahres soviel Lohnsteuer, wie es seinem Anteil am gemeinsamen Bruttolohn entspricht.

  • Die Nachrüstung von Kraftfahrzeugen mit Partikelfiltern soll steuerlich gefördert werden.


Geplante Änderungen ab 2008:

  • Die Grundsteuer soll - mit dem Ziel der Vereinfachung - neu geregelt werden.

  • Neuformulierung des Einkommensteuerrechtes.

  • Bei der Umsatzsteuer soll die Umkehr der Steuerschuldnerschaft auf den Leistungsempfänger generell eingeführt werden, „Reverse-Charge-Modell“.


Dieses Merkblatt erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern enthält lediglich die allerwichtigsten, z.T. erst geplanten Neuerungen. Für Rückfragen bezüglich den oben erläuterten oder weiterer Neuerungen stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung.

<< zurück